Anti-Aging

Auf der Flucht vor dem Alter

Viele Wege sind für den Menschen vorgezeichnet, der ein erfolgreiches Altern anstrebt. Die Vorstellungen über den Erfolg gehen freilich weit auseinander. Und so besteht auch die Gefahr, sich auf Holzwegen zu verirren.

Die Gefahr ist besonders groß, wenn der Begriff Anti-Aging einseitig, also falsch interpretiert wird. Der in der Menschheitsgeschichte immer wieder erträumte Jungbrunnen bleibt der Phantasie überlassen, die Realität sieht anders aus.

In einem Beitrag für das „Süddeutsche Zeitung Magazin" entwarf Anneliese Friedmann, in den sechziger Jahren als „Sibylle" gefeierte Kolumnistin des „Stern", ein wenig schmeichelhaftes Bild über eine bestimmte Spezies von Anti-Aging-Aspirantinnen:

„Die Generation 50 plus kennt nur Best Ager, fit for fun, Golf spielen, Fernreisen, warum nicht in den Himalaja oder wenigstens zum Senioren-Tanztee ins Wellness-Hotel, ins Fitness-Studio, weil man mit sechzig noch alles kann, was man will. Zumindest Nordic Walking. Großmutter trägt Jeans und chattet im Internet auf der Suche nach dem Gleichgesinnten, mit dem sie getrennt leben, aber gemeinsam erleben will, Oper - Kunst - Bach. Und Bett, denn schließlich ist man mit siebzig noch durchaus bereit für eine Beziehung mit Lust und Leidenschaft, Glas Rotwein bei Kerzenlicht, guten Gesprächen. Was ist falsch daran? Nichts. Und alles."

Möglichkeiten und Grenzen der Anti-Aging-Medizin
Aus Anti-Aging, neuerdings auch als „Well-Aging" propagiert, ist ein riesiges Geschäft geworden. Die Anti-Aging-Medizin profitiert davon, indem sie für Anti-Aging-Diagnostik, Anti-Aging-Behandlung und Anti-Aging-Ästhetik wirbt und ein entsprechendes Repertoire von Maßnahmen anbietet.

Eine gigantische Freizeitindustrie widmet sich heute dem Erhalt der Jugendlichkeit. Jugendliche Attraktivität - meist reduziert auf die äußerliche Erscheinung - ist zum alles beherrschenden Maßstab geworden. Schönheitschirurgen liften schlaffe Haut und kreieren stramme Busen. Schönheitsfarmen sorgen für ansprechendes kosmetisches Finish.

Wer auf solche Weise das Alter aufhalten will, statt im Alter ein sinnerfülltes Leben zu führen, hat schon im Ansatz verloren. Denn das Altern lässt sich nicht aufhalten, die biologische Programmierung des Menschen, ist auf Fortpflanzung gerichtet und auf Tod nach Erfüllung des Fortpflanzungsauftrags. Nun können wir heute dank der medizinischen Fortschritte dem Tod manches Schnipplein schlagen, am Ende bleibt er immer Sieger.

Wir können Verluste an Vitalität mindern, Verschleißerscheinungen verschieben. Wir erfreuen uns länger einer guten Gesundheit, wenn wir uns vernünftig ernähren, bewegen, den Geist wach halten, für ausreichenden Schlaf sorgen, mit Genussmitteln sparsam umgehen.

Können wir aber nicht noch ein Übriges tun - mit Verjüngungskuren, Stärkungsmitteln, Frischzellen, Hormonen, Nahrungsergänzungsmitteln, Vitaminen etc.?

Physiologen haben schon im 19. Jahrhundert versucht, eine Verjüngung des Organismus mittels der Übertragung von Organextrakten zu erreichen. Der Franzose Charles Edouard Brown-Sequard, der heute zu den Vätern der modernen Endokrinologie gezählt wird, beschrieb 1889 enthusiastisch seine im Selbstversuch vermeintlich verspürte Besserung durch die Injektion von aufbereiteten Extrakten aus Hundehoden. Der Russe Serge Voronoff versuchte Ähnliches mit der Übertragung von Stier- und Affenhoden, blieb jedoch ebenso erfolglos.

Moderne Andrologen haben sich auf wissenschaftlich sichererem Boden wieder mit den Möglichkeiten der Hormontherapie beim alternden Mann beschäftigt. Die Verabreichung von Testosteron oder Wachstumshormon zum Ausgleich von Hormondefiziten ist jedoch bis heute umstritten geblieben, weil Nebenwirkungen befürchtet werden.

Ausfallerscheinungen durch Menopause und Andropause
Im Körper der Frau vollziehen sich mit dem Eintritt der Menopause, äußerlich erkennbar mit der Einstellung der Regelblutungen, Veränderungen, die mit der ausbleibenden Produktion weiblicher Geschlechtshormone in Verbindung stehen. Seit den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurden Versuche unternommen, bestimmte Symptome der Wechseljahre durch die Gabe von Hormonen - Estrogenen, teilweise kombiniert mit Gestagenen - zu bekämpfen.

Unangenehme Symptome wie Hitzewallungen, Trockenheit der Scheide, Stimmungsschwankungen bessern sich unter den Hormongaben. Nach langjährigen Beobachtungen zeigten sich auch Einflüsse zur Verminderung des Knochenabbaus (Osteoporose) und zur Minderung des Herz-Kreislauf-Risikos.

Aus großen amerikanischen Studien wurden andererseits Befürchtungen abgeleitet, dass die Hormontherapie auch mit Entstehung bzw. Wachstum von Brustkrebs in Verbindung stehen könnte. Das letzte Wort ist darüber noch nicht gesprochen. Es wird jedoch empfohlen, die Verordnung von Hormonpräparaten im Klimakterium von individuellen Voraussetzungen und gründlicher Aufklärung abhängig zu machen.

Beim alternden Mann spielt sich nicht ein plötzlicher, sondern ein allmählicher Rückgang der Produktion von Sexualhormonen ab. Man spricht vom partiellen Androgendefizit des alternden Mannes, der zu einer Reihe von Ausfallerscheinungen führt, vor allem zu:

  • Abnahme von Muskelmasse und Muskelkraft
  • Zuwachs an Bauchfett
  • Abnahme von Libido
  • Potenzstörungen bis zur Impotenz (erektile Dysfunktion)
  • Abnahme an Lebensfreude
  • Abnahme von subjektivem Wohlbefinden
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